Kashmir-Shivaismus und -Tantrismus


Der Kashmir-Shivaismus war bis zum 19ten Jahrhundert als Trika bekannt. Er ist seit Abhinavagupta eine Synthese verschiedener tantrischer Schulen und hinduistischer Einflüsse. Daher lehrt das Krama auch die letzen 5 Stufen des Ashtanga-Yoga und setzt die ersten 3 voraus.

“Wenn Du deinen Geist fest in der inneren Wirklichkeit des göttlichen Bewusstseins errichtet hast so ist das 'dharana'. Dieses 'dharana' muss nicht nur innerlich sondern auch in allen Tätigkkeiten des weltlichen Lebens verwirklicht sein. Dies ist wahres 'dharana'." (Netra Tantra.)

Trika kennt keine Trennung von Geist und Materie. Chit - göttliches Bewusstsein - ist die einzige Wirklichkeit. Materie ist nicht vom Bewusstsein getrennt. Es gibt in Wahrheit keine Kluft zwischen Gott und der Welt. Die Welt ist nicht eine Illusion wie im Advaita-Vedanta sondern die Wahrnehmung der Dualität ist die Illusion. Die Überwindung dieses "Weltenwahns" ist das Ziel der spirituellen Anstrengungen.
Der Kashmir-Shivaismus kennt ähnlich dem Hinduismus 7 Schöpfungsebenen mit 36 Tattwas :

An der Spitze des Weltbildes steht PARAMASHIVA(wie im Hinduismus Parambrahma), darunter befinden sich 5 reine göttliche Tattwas : Shiva- Tattwa, Shakti-Tattwa, Sahashiva-Tattwa, Ishvara- Tattwa, Shuddha Vidya oder Sadvidya-Tattwa.

Darunter sind die sieben Shuddhashuddha-Tattwas :
Maya und die 5 Kanchukas um den Purusha: Kalaa, Vidya, Raga, Kaala, Niyati, Purusha. Sie sind die Vorläufer der 5 gröberen Elemente. In der Kabbalah sind sie die Qliphoth oder Schalen um die Kerne(Sephiroth).

Anm.: Diese 6 Tattwas erinnern an die 6 Herrscher der urpersischen Religion, mit denen Ahura Mazda die Welt regiert.
Im Gegensatz dazu befinden sich die 3 grossen ägyptischen Götter (Amon, Raum und Zeit) auf der buddhischen Ebene.


Darunter befinden sich noch 24 weltliche Tattwas mit den 3 Gunas : Prakriti mit den 3 Gunas, Buddhi, Ahamkara und Manas usw.

Paramashiva hat zwei Aspekte : Prakasha (Transzendente Zurückgezogenheit, Ruhe) und Vimarsha (reines nicht selbst-bezogenes "Ich"-Bewusstsein, Aktivität). Die Prakasha-Phase des Universums wird Pralaya oder Wiedereinziehung genannt.

Von den vielen göttlichen Kräften oder Shaktis sind nur 5 fundamental : Chit-shakti, Ananda - Shakti, Iccha-Shakti, Jnana-Shakti, Kriya-Shakti.
Paramshiva : Prakasha (Pralaya, Ruhe) und abwechselnd Vimarsha (reines nicht selbst-bezogenes "Ich"-Bewusstsein)

Shiva : göttliche Ichheit (Das geoffenbarte Sein)

Para-Shakti : göttliches Ich-Bewusstsein


Sadashiva : Ich in Allem (göttliche Alleinheit)


Ishvara : Dies in meinem Ich(in mir)-göttlicher Schöpfer


Sadvidya : Ich in Diesem - Dieses in diesem

Unterhalb des Anthakarana sind die 12 unreinen Tattwas. Die vier physikalischen Elemente(Mahābhutā) sind : Ākāśa-Tattva, Vāyu-Tattva, Tejas-Tattva und Jala-Tattva. "Prithivi anda" ist der Endpunkt der Schöpfung - die feste Materie, die nur ein Tattwa darstellt.

Auch die Zeit hat ihre Maße genau wie im Bhagavata-Purana(Srimad Bhagavatam Book III, Chapter XI) :

2 AYANAS = 1 Samvatsara ( 1 Jahr von menschlichen Wesen )
2 Ayanas = 1 Tag und Nacht von himmlischen Wesen im Swarloka
100 Samvatsaras = 1 Paramayu (1 Leben eines menschlichen Wesens)

360 Samvatsaras = 1 göttliches Jahr
3000 Samvatsaras = Lebensspanne eines der Manen
36000 Samvatsaras = 360 Paramayus = Lebensspanne im Swarloka (Mentalebene)
4 320 000 000 Samvatsaras = 1 Mahayuga (Satya, Trata, Dvapara, Kali) - entsprechend 4 320 000 000 menschlichen Jahren

1000 Maha-Yugas = 1 Kalpa oder Tag (12 Stunden von Brahma)
2 Kalpas = 1 Pralaya (Tag und Nacht von Brahma),
1/2 von Brahmas Leben = 1 Parardha = 36000 Kalpas = 36 Millionen Mahayugas

Totale Lebensspanne von Brahma : 72000 Kalpas = 311 040 Milliarden menschlicher Jahre

Vom Maharloka(buddhische Ebene) bis zum Satyaloka ergeben 1000 Umdrehungen der 4 Yugas einen Tag. Die Nacht ist von gleicher Länge - dann schläft Brahma und zieht Bhuloka, Bhuvarloka und Swarloka ein (- dh. die materielle Ebene, die astrale Ebene und die Mentalebene).

Dazu als weitere Buch-Empfehlung bezüglich der solaren Zeit-Zyklen und der Ebenen : Sri Yuktesvar Giri : Die Heilige Wissenschaft (The holy science, SRF).

Der solare Kreislauf von 24000 Jahren teilt sich in 4 Unterzyklen von 6000 Jahren auf, die jeweils eine grosse Wende einleiten.

Der Shivaismus hebt das bekannte Mantram "Om Namaha Shivaya" hervor, dazu weiteres in den " Shiva-Puranas".

Zum Kashmir-Shivaismus :